Der Fuß ...

... verbindet den Menschen mit der Erde. Und vor dem Fuß kommt der Schuh ...

 

Ursprünglich war der Fuß ja dafür gedacht, völlig "unbeschuht" über Wiesen, Erde, Stein zu laufen, die Untergründe zu erforschen, ob sie nun weich, moosig, nass, kalt, glitschig oder steinig waren und eben dies dem Menschen zu melden.

 

Er sollte sich Bodengegebenheiten anpassen, dem Körper Standfestigkeit und Halt bieten können. Er sollte sich rasch orientieren, wenn es darum ging, schnell zu laufen oder präzise zu klettern.

 

Schuhe zu tragen, war vor noch nicht allzu langer Zeit Luxus, Schuhe waren Statussymbole und wer auf sich hielt, unterwarf sich der jeweiligen Mode, so schmerzhaft sie auch sein mochte. Noch am Ende des 19. Jahrhunderts waren die Zeitschriften voll mit Anzeigen zum Thema Hühneraugen.

 

Auffassung damals: Der Fuss sollte sich dem Schuh anpassen. Und nicht umgekehrt.

Zu den unbequemsten Schuhen zählt hier der Schnabelschuh für den Mann, der vom 12. bis zum 15. Jahrhundert zum modischen MUSS gehörte. Eine normale Zehenreihe musste darin buchstäblich übereinander gequetscht werden.

 

Im Venedig des 16. Jahrhunderts entstand für die Damen eine der verrücktesten Schuhmoden, die es je gab: Die Chopine.

 

Diese extreme Mode hatte wohl ihren Ursprung in dem Gedanken, die Damen vor dem Morast zu schützen, durch den sie tagtäglich in den noch unbefestigten Straßen waten mussten.

 

Aus diesem Grunde wurden die Chopinen ein wenig modifiziert und es entstand der hohe Absatz, der ab dem 16. Jahrhundert sowohl von Frauen als auch von Männern getragen wurde.

 

Die Chopine ist ein Schuh auf ungeheuer hoher Plateausohle. Je nobler die Frau, desto höher dieses Plateau. Die Frauen konnten sich aufgrund ellenhoher Chopinen folglich kaum mehr ohne Hilfe auf den Strassen fortbewegen. Und während die Frauen im Lauf der Geschichte weiterhin noch relativ bewegungsunfähig bleiben mussten, fingen schließlich die Männerschuhe an, mehr und mehr auch praktische Zwecke zu erfüllen. Bismarck ließ erstmalig in der Schuhgeschichte bewusst fußgerechte Stiefel für sein Militär fertigen. Diese wurden eigens konstruiert nach den Richtlinien eines Anatoms, Prof. Hermann von Meyer. Die "Meyerschen Linien" beschreiben einen Funktionszusammenhang, der das Abrollen beim Laufen organisiert. Eine wahre Revolution in der "Schmerzensgeschichte" der Schuhe:

 

Zum ersten Mal wurden hier Anatomie und Form des Fußes berücksichtigt und als Grundlage für die Form des Schuhs verwendet.

Darauf folgten plötzlich immer weitere Experimente, die den gesunden Fuß zum Ziel hatten. Pfarrer Sebastian Kneipp und seine Theorien des Barfußlaufens als therapeutische Methode. Und im 20. Jahrhundert der Orthopäde Carl Birkenstock, der mit seiner Korksohle unsterblich wurde ...

 

Der Kampf um die optimale Passform des Schuhs ist noch lange nicht ausgestanden. Jeder Fuß ist anders, jeder Mensch stellt andere Ansprüche an sein Schuhwerk. Und vieles hat sich verändert. Man denkt nur an die veränderten Untergründe in den Städten. Statt durch Wiesengründe geht der Mensch heute über Beton und Asphalt. Wie Kleider dienen auch die Schuhe verschiedensten Aufgaben. Sie wollen sicher den Fuß schützen, gleichzeitig aber auch der Trägerin/ dem Träger gefallen und - jawohl!- der Umwelt imponieren.

Der Schuster

Am Eingang des Bayerischen Waldes, im idyllischen Luftkurort Mitterfels, saß Schuhmachermeister Klaus Niedermeier bei seinen Leisten. Und weil, wie allerseits bekannt, im Bayerischen Wald die Zeit viel langsamer vergeht als anderswo, hatte er genug Zeit, über die Schuhmacherei auch nachzudenken, statt nur zu Schustern.

Es müsste doch möglich sein, die Erkenntnisse über das richtige Stehen und Gehen, über die Form von Fuß und gesundem Schuh sowie die schöne Form auch zu nutzen. (Statt immerzu unter Schuhen zu leiden. Unter drückenden Schuhen. Oder Schuhen, die nach dem ersten Winter schon aus Leim und Nähten gehen wollen.)

Und so begann Meister Niedermeier seine Leisten ganz genau nach der Form der jeweiligen Füße zu erstellen:

 

Vom rechten Mass

Die Niedermeier- Maßschuhe werden ganz genau nach der Form des Fußes gemacht. Dazu ist der erste Schritt der wichtigste: Das Maß-Nehmen. Dazu muss der Kunde vor allem Zeit mitbringen. Dann wird ganz genau vermessen: Vom Zeh zur Ferse und wieder zurück, Ballenumfang, Rist- und Vorrist-, Fersen- und Fesselmaß, Überbein oder Schwiele. Alle Problemzonen werden festgehalten.

 

Nach diesen Maßen und Erkenntnissen wird schließlich der hölzerne Leisten erstellt. Ein echtes Unikat übrigens, denn jeder Fuß ist einmalig in seinen Maßen.

 

Vom rechten Leder

Leder ist noch nicht gleich Leder. Rindsleder nicht gleich Rindsleder. Die Auswahl und Qualität der Leder ist eine Sache von Erfahrung und Sorgfalt. Je nach Art des Schuhs muss das Leder fein, weich oder robust und unempfindlich sein. Je nach Teil des einzelnen Schuhs variieren die Kräfte, die auf das Leder wirken. Und entsprechend viel oder wenig darf es sich dehnen, anpassen, weiten. Jedes Leder hat andere Eigenschaften. Schuhmachermeister Klaus Niedermeier verlässt sich auf das, was er kennt: Direkt bei den Herstellern sucht er seine speziellen Leder aus. Rindsleder, Kalbsleder, Sohlenleder, etc.

 

Von der rechten Schuhmacherkunst

Das Schuhmacherhandwerk ist ein altes. In langer Tradition befasst man sich hier mit der Kunst der Schuhmacherei. Heute, im Zeitalter der maschinellen Einheitsfabrikation bleibt des Schusters Aufgabe häufig nur noch das Reparieren der Schäden, falls sich das bei dem Schuhwerk noch lohnt! Doch was ein richtiger Schuhmacher ist, dem ist das Schustern noch lange nicht genug. So wird so manch ein Schuster wieder zum Schuhmacher, der von der schönen und gesunden Form des Schuhs bis hin zur Herstellung einen Schuh machen kann, der hält, und hält, und hält...

 

Und bei der richtigen Pflege der Niedermeier-Schuhe sind das bis zu 15 Jahre!